Hörstücke Reinhard Schneider
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Neun Stockwerke neues Deutschland

Neun Stockwerke neues Deutschland

– Ein Hochhaus in Gladbeck

 

Erzähler: Ulrich Noethen
Hörfunkfeature von Reinhard Schneider
Produktion: WDR für die ARD 2017
Länge 54 Minuten

Gladbeck. 120 Wohnungen, 350 Bewohner. Die eine Hälfte Deutsche, die andere Hälfte Migranten aus zehn Nationen. Clanstrukturen auf Balkan-Seite, freundliche, aber verunsicherte Syrer und Iraker und um ihre Selbstbehauptung kämpfende Alteingesessene. Als Modell gesehen bildet das Hochhaus Teile der sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik ab. Auf den bandartig angelegten Laubengängen des L-förmigen Baus ein fragiles soziales Gleichgewicht. Ein Mikrokosmos zwischen Aufbruch und Abgrenzung, ein ungesteuertes Experiment und vielleicht auch ein Frühwarnsystem für eine neue Mischung am sozialen Rand.

Passage aus dem Produktionskript:

Erzähler:
Ich habe dieses Haus schon einmal vor sieben Jahren besucht und seine Bewohner porträtiert. Die klarste Erinnerung habe ich noch an die Hausbewohner Marek und Bernie. Marek, der aus Polen kam, arbeitete als LKW-Fahrer und all seine Hoffnungen konzentrierten sich darauf, seine von ihm geschiedene Frau zurückzugewinnen. Bernie hatte im Haus den Beinamen Bankräuber, da er zum Einstand seiner Karriere an einem Tag zwei Banken ausraubte.

Beide waren im Haus außerordentlich beliebt. Marek wegen seiner warmherzigen Art, und Bernie – soweit er nicht einmal wieder im Gefängnis saß – wegen seiner überbordenden Partys. Aber das ist jetzt vorbei und das Haus ist ein anderes geworden. Marek und Bernie starben kurz hintereinander an Herzversagen. Marek alleine in seiner Wohnung, während es Bernie noch in die Notaufnahme eines Krankenhauses schaffte. Nach zwei Tagen hatte er es jedoch satt, riss die Infusionsnadel aus sich heraus, befreite sich von den Überwachungsgeräten, fuhr noch einmal zurück ins Haus und starb.
Was sich in dem Haus seitdem verändert hat, ist die Mischung der Bewohner. Waren es vor sieben Jahren noch vorwiegend Deutsche, viele von ihnen auf Hartz 4, so sind inzwischen osteuropäische Zuwanderer und Kriegsflüchtlinge hinzugekommen. Ein Nebeneinander unterschiedlicher Sprachen, Riten und Kulturen von dem noch offen ist, ob und wie es sich selbst reguliert.

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ARD Feature 53:03
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